7-Tage-Inzidenz verharrt auf sehr hohem Niveau: OB Putz fordert mehr Impfstoff für die Stadt Landshut

7-Tage-Inzidenz verharrt auf sehr hohem Niveau: OB Putz fordert mehr Impfstoff für die Stadt Landshut
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Ausbruch in Gemeinschaftsunterkunft Niedermayerstraße: Mittlerweile 37 Bewohner infiziert; Infektionsgeschehen laut Gesundheitsamt weiter diffus; Ansteckungen besonders in Familien

Die 7-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner verharrt in der Stadt Landshut entgegen dem Bundes- und Landestrend weiter auf sehr hohem Niveau. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) betrug der Inzidenzwert am heutigen Mittwochmorgen 175,7. Das ist gegenüber vergangenem Freitag zwar ein Rückgang um immerhin rund 30 Punkte. Allerdings sind in diesem Wert 21 weitere Fälle, die im Rahmen einer am Montag durchgeführten zweiten Reihentestung in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) an der Niedermayerstraße ermittelt wurden, noch nicht enthalten. Berücksichtigt man auch diese Neuinfektionen, die dem Staatlichen Gesundheitsamt Landshut erst zu einem kleinen Teil offiziell gemeldet wurden und daher überwiegend noch nicht in die Inzidenzberechnung einfließen konnten, läge der Wert sogar noch spürbar höher. OB Alexander Putz fordert deswegen zusätzliche Impfstoff-Kontingente für die Stadt.

Der Anfang Mai festgestellte Corona-Ausbruch in der GU Niedermayerstraße, der mit den nun erfassten Neuinfektionen bereits 37 Bewohner betrifft, ist übrigens nicht hauptursächlich für das starke Infektionsgeschehen, betont das Gesundheitsamt. Demnach finden die meisten Ansteckungen nach wie vor im privaten, insbesondere im familiären Bereich, aber auch am Arbeitsplatz statt. Dazu kommt ein Ausbruch in einer freikirchlichen Gemeinde mit bislang etwa einem Dutzend Betroffener. „Leider will es uns bisher einfach nicht gelingen, die Zahl der Neuinfektionen nachhaltig zu senken. Das ist angesichts der bereits seit Monaten beinahe ununterbrochen geltenden, strengen Einschränkungen, die wir allen Bürgerinnen und Bürgern im privaten, beruflichen und schulischen Bereich zumuten müssen, sehr bitter für unsere Stadt“, sagt OB Alexander Putz.

Ein Blick in andere, in den vergangenen Monaten besonders hart vom Coronavirus getroffene Regionen in Ostbayern zeige, dass eine Besserung der Lage mit einem raschen Fortschreiten der Impfkampagne in direktem Zusammenhang stehe, so Putz. „Gerade die Landkreise an der Grenze zu Tschechien haben frühzeitig und aus guten Gründen zusätzlichen Impfstoff erhalten, um das Impftempo erhöhen und die angespannte Situation so in den Griff bekommen zu können.“ Diese Regionen seien nun bei der Immunisierung der Bevölkerung folgerichtig auch schon ein gutes Stück weiter als Städte und Kreise zum Beispiel im westlichen Niederbayern, die zumeist noch Inzidenzwerte über 150 aufweisen. Ehemalige Hochinzidenzgebiete wie die Stadt Passau, aber auch die ostbayerischen Landkreise Passau, Regen, Freyung-Grafenau oder Tirschenreuth dagegen dürfen sich inzwischen über erheblich niedrigere Inzidenzwerte freuen – und liegen teilweise sogar bereits deutlich unter der kritischen Marke von 100, so dass die strengen Maßnahmen der Bundesnotbremse gelockert werden konnten. „Wir sind nun in einer ähnlich schwierigen Lage wie es diese Städte und Landkreise während der Wintermonate waren“, sagt Putz. „Deswegen brauchen wir nun dieselbe Unterstützung und Solidarität: Die Stadt Landshut benötigt rasch mehr Impfstoff, damit wir die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger bestmöglich schützen können. Ich appelliere daher an Bund und Freistaat, uns ebenfalls entsprechende Sonderkontingente zur Verfügung zu stellen.“

Zu berücksichtigen sei in diesem Zusammenhang auch die Sonderstellung, die Landshut als relativ kleine kreisfreie Stadt mit nur rund 73.000 Einwohnern einnehme. „Die Impfstoff-Liefermengen werden streng nach Einwohnerzahlen berechnet, entsprechend wenig Impfstoff steht uns also zu“, sagt der OB. Das sei vor allem deswegen problematisch, weil die Stadt Sitz zahlreicher Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeeinrichtungen, aber auch von vielen weiterführenden Schulen und überregionalen Behörden sei. „Praktisch alle, die in diesen Bereichen arbeiten – seien es Pflegekräfte, Mediziner, Lehrpersonal oder Verwaltungsbedienstete – fallen in eine der drei Priorisierungsstufen und haben damit ein Anrecht, aufgrund ihres Berufs bevorzugt geimpft zu werden“, erklärt Putz. „Die meisten der im Stadtgebiet angesiedelten Einrichtungen vereinbaren mit dem städtischen Impfzentrum daher sogenannte Sammeltermine, bei denen das gesamte priorisierte Personal seine Schutzimpfungen erhält.“

Der Haken an dieser rechtlich nicht zu beanstandenden Praxis: Ein beträchtlicher Teil der Bediensteten arbeitet zwar in Landshut, wohnt aber auswärts. „Die Stadt Landshut impft also mit ihrem ohnehin knappen Impfstoffkontingent sozusagen Teile der Bevölkerung aus den wesentlich einwohnerstärkeren Nachbarlandkreisen mit“, sagt Putz. Internen Berechnungen zufolge gingen auf diese Weise bisher mehr als 2.500 Impfdosen der Stadt Landshut an Personen, die gar nicht im Stadtgebiet leben. „Das ist ein Anteil von 10 bis 15 Prozent der bisherigen Erstimpfungen. Dieser Impfstoff fehlt uns dann natürlich für die eigenen Bürgerinnen und Bürger. Dafür muss es endlich eine Kompensation durch den Freistaat geben: Das habe ich beim Gesundheitsminister auch schon wiederholt schriftlich und in persönlichen Gesprächen angemahnt, bisher aber leider ohne jeden Erfolg“, so Putz verärgert. Die Folge: „Der Impfstoff reicht hinten und vorne nicht. Unser Impfzentrum, wo täglich mehr als 1.000 Impfungen vorgenommen werden könnten, muss tagelang geschlossen bleiben, weil die Liefermengen so gering sind. Und das, während das Infektionsgeschehen in unserer Stadt trotz aller strengen Maßnahmen erneut aufzuflammen droht – so kann das nicht mehr weitergehen!“

Appell an niedergelassene Ärzte: Impfstoffkontingente vollständig abrufen

In die Pflicht nimmt Putz indes nicht nur Bund und Freistaat, sondern auch die niedergelassenen Ärzte im Stadtgebiet. „Sie leisten nicht erst seit Beginn der Pandemie ganz hervorragende Arbeit und sind das Fundament, auf dem die medizinische Versorgung unserer gesamten Gesellschaft beruht. Jetzt sind wir darauf angewiesen, dass alle Ärzte sich an der Impfkampagne beteiligen und die ihnen zustehenden Impfstoffkontingente vollständig abrufen“, so der Oberbürgermeister. „Sie sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Aktuelle Zahlen, die Putz vom Ärztlichen Kreisverband zur Verfügung gestellt wurden, ließen in dieser Hinsicht aber noch Steigerungspotenzial vermuten. Demnach wurden von niedergelassenen Ärzten im Stadtgebiet mit Stand vom 11. Mai exakt 6.473 Erstimpfungen dokumentiert. Das entspricht einem Anteil von rund 8,9 Prozent der Bevölkerung. „Damit belegen wir im Vergleich mit anderen kreisfreien Städten leider einen der letzten Plätze“, sagt Putz. Passau (14,2 Prozent) und Straubing (13,5 Prozent) weisen demnach wesentlich höhere Erstimpf-Quoten durch niedergelassene Ärzte aus, aber auch Großstädte wie München, Nürnberg (je 11,1 Prozent) oder Regensburg (13,3 Prozent) rangieren weit vor Landshut. „Ich habe daher alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Stadtgebiet bereits in einem Schreiben eingeladen, nun zusammen mit dem städtischen Impfzentrum zu den entscheidenden Faktoren der Impfkampagne in unserer Stadt zu werden“, so der OB. Sein Appell an die Mediziner: „Helfen Sie nach Kräften bei der Immunisierung der Bevölkerung mit. Gemeinsam werden wir auch diese hoffentlich letzte große Herausforderung der Pandemie meistern!“

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