Der Einzelhandel vor Ort leidet durch Corona

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Ratlos stehen Helmut und Maria Wimbeck vor der Winterware in ihrem Kaufhaus in Neufahrn: „Wenn wir nicht bald aufmachen dürfen, bleiben wir auf den warmen Mänteln, Pullovern und Mützen sitzen“, machen sie der Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Bürgermeister Peter Forstner deutlich. Die beiden Politiker wollten sich bei ihrem Besuch vor Ort ein Bild von der Situation des Einzelhandels im Lockdown machen. „Immerhin haben wir erreicht, dass auch in Bayern „click&collect“ möglich ist“, berichtet Ruth Müller, MdL von den parlamentarischen Initiativen auf Landesebene. Gerade die kleinen Ladengeschäfte hätten seit dem Frühjahr Hygienekonzepte entwickelt und könnten auch die Besucherzahlen gut kontrollieren, stellte Bürgermeister Peter Forstner fest. „Mindestens so gut wie jeder Supermarkt“, stellt Maria Wimbeck fest.

Seit 86 Jahren gibt es das Kaufhaus Stadler – dort ist alles rund um Textilien wie Nähzubehör, Strickwolle aber auch Heimtextilien erhältlich. „Wenn man sich die Prospekte der großen Discounter anschaut, verkaufen die gerade all das, was wir nicht verkaufen dürfen“, beklagt Maria Wimbeck diese ungerechte Behandlung für sich und ihre Berufskollegen. Zudem sei die Abwicklung der Soforthilfe sehr bürokratisch geregelt und für einen Betrieb wie sie kaum geeignet, um davon zu profitieren. „Wir wollen auch kein Geld vom Staat, sondern unsere Kunden beraten und bedienen und unsere Ware verkaufen, an denen sie lange Freude haben“, macht Wimbeck im Gespräch mit den Politikern deutlich. Die BayernSPD-Landtagsfraktion hat deshalb einen Fünf-Punkte-Aktionsplan eingereicht, der den Einzelhandel in de Pandemie unterstützen soll. „Wir fordern daher ein Aktionsbündnis, das sich – gerade auch vor dem Hintergrund der zugespitzten Situation – mit der Zukunft unserer Innenstädte beschäftigt“.

Neben finanziellen Hilfen brauche man auch langfristige Lösungen und den Willen, Nahversorung auch im ländlichen Raum zu erhalten. Verschiedene situationsabhängige Öffnungsszenarien würden den Unternehmerinnen und Unternehmern helfen, zu planen und so ihr Überleben zu sichern. Immerhin gibt es nun durch Bundesfinanzminister Olaf Scholz eine zusätzliche Regelung, dass Abschreibungen auf Saisonware zu 100 Prozent als Fixkosten angesetzt werden können, berichtete Ruth Müller, MdL im Gespräch. Für die leidenschaftliche Einzelhändlerin ist das nur ein kleiner Trost, denn viel lieber hätte sie dazu beigetragen, dass ihre Kundinnen passende Weihnachtsgeschenke für sich und ihre Lieben bei ihr vor Ort eingekauft hätten, wie es in den Jahren davor möglich war. „Wir wünschen uns alle, dass ein Stück Normalität einkehrt, denn dann gehen die Leute auch gerne wieder zum Einkaufen und beleben unseren Ort“, so Bürgermeister Peter Forstner.

Bild: Janina Forster

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