Hochwasser-Katastrophe

Hochwasser-Katastrophe - Ahrtal - Festnetz: Neu- und Wiederaufbau in Flutgebieten mit mehr Glasfaser
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Festnetz: Neu- und Wiederaufbau in Flutgebieten mit mehr Glasfaser

  • Schadensbilanz im Festnetz: 1.500 Verstärkerpunkte und 104 Glasfaser-Knoten von Hochwasser betroffen
  • Festnetz-Infrastruktur fast überall wiederhergestellt – Techniker beseitigen aber weiterhin Schäden
  • Netzplaner arbeiten an zukünftiger Netzstruktur – Glasfaser-Anschlüsse für mehrere tausend Haushalte
  • Anwendung verschiedenster Verlege-Verfahren – Querung der Ahr mittels spezieller Bohrtechnik

Schlamm spritzt auf, Wasserfontänen schnellen hoch und Staub wirbelt durch die Luft. Begleitet von einem lauten Brummen fräst sich der kleine Bohrkopf am Ufer der Ahr schräg in die Tiefe des Untergrunds. Rund sechs Meter unter der Ahr wird mittels des Horizontal-Spülbohrverfahrens zukünftig ein Glasfaserkabel das schnelle Internet wieder nach Bad Neuenahr-Ahrweiler bringen. Die Baustelle ist nur eine von vielen, an denen Vodafone den Neu- und Wiederaufbau der Festnetz- und Mobilfunk-Infrastruktur in den Katastrophen-Gebieten in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz vorantreibt. Hierfür arbeiten noch immer mehrere interdisziplinäre Teams mit Spezialisten aus dem gesamten Unternehmen eng zusammen.

Eine, die alle Baustellen im Blick hat und die Arbeiten mit ihrem Team übergreifend koordiniert, ist Roxane Ülkümen. Die 35-jährige leitet für Vodafone den Festnetz-Ausbau in der Region Südwest. Zurzeit ist sie besonders häufig im Ahrtal unterwegs. Ihre Aufgabe dort ist herausfordernd: Sie soll das schnelle Internet zurück zu den Menschen bringen, die in den Katastrophen-Gebieten leben.

„Durch die Wucht des Wassers hatten zunächst rund 33.000 Haushalte keinen Festnetz-Internetanschluss“, erzählt Roxane Ülkümen. „Übergreifend hat das Wasser rund 1.500 Verstärkerpunkte und 104 Glasfaser-Knotenpunkte im Kabel-Glasfasernetz in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört.“ Auch weite Teile der DSL-Infrastruktur fielen vielerorts aus – 16 Hauptverteiler und 77 Kabelverzweiger waren insgesamt von den Auswirkungen der Jahrhundertflut betroffen. Im Festnetz sind die eigenen Netzelemente nun so weit wie möglich repariert, wenngleich mancherorts noch immer Provisorien zum Einsatz kommen. So sind beispielsweise einige Datenleitungen, die eigentlich in den Boden gehören, weiterhin in luftigen Höhen befestigt. „Gerade in der jetzigen Situation sind solche ‚Erste Hilfe‘-Maßnahmen essentiell, um den Wiederaufbau der Telekommunikationsinfrastruktur so schnell wie möglich zu realisieren“, sagt Roxane Ülkümen.

Die Netzexpertin hat zurzeit besonders viel zu tun. Sie wird im Ahrtal nicht nur die bisherige Netz-Infrastruktur wiederherstellen, sondern im Zuge des Wiederaufbaus auch verbessern. Dazu sollen größere Strecken mit Glasfaser erschlossen werden. Zudem plant Vodafone, mehrere unterversorgte Gebiete neu mit Glasfaser zu versorgen. Entlang wichtiger Hauptverkehrswege wie der Bundestraße B267 sollen neue Datenautobahnen als Zuführung und Grundlage für das schnelle Internet im Ahrtal entstehen. Glasfaser-Strecken von rund 20 Kilometern Länge sind bereits fest eingeplant – entsprechende Genehmigungen im Rahmen des Wiederaufbaus von Autobahnen und Straßen vorausgesetzt.

„Über die neue Glasfaser-Anbindung sollen Daten dann mit annähernd Lichtgeschwindigkeit ins Ahrtal reisen können“, erklärt Roxane Ülkümen. In Dernau, Mayschoß und Altenahr sowie in mehreren kleineren Ortschaften entlang der Ahr ist zudem geplant, dass rund 2.500 Haushalte künftig Glasfaser-Anschlüsse direkt ins Haus erhalten sollen. In Orten wie Sinzig, Remagen oder Löhndorf werden die bisherigen Netz-Segmente im Kabel-Glasfasernetz so stark verkleinert, dass die Haushalte mit Kabelanschluss zukünftig von zusätzlichen Bandbreiten-Reserven und einem besonders leistungsstarken Kabel-Glasfasernetz profitieren.

Bis der Plan vollständig umgesetzt ist, wird es noch Monate dauern. Zu groß sind die Zerstörungen. Für Roxane Ülkümen ist der Wiederaufbau der Telekommunikationsinfrastruktur im Ahrteil eine der größten Herausforderungen in ihrer beruflichen Laufbahn. „Es geht ja nicht nur um den Aufbau von Telekommunikationsleitungen, es geht um den Wiederaufbau aller Infrastrukturen für die Grundversorgung der Bevölkerung. Dazu bedarf es einer intensiven Koordination und Abstimmung, das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, auch wenn natürlich jeder sein eigenes Aufgabengebiet hat. Deshalb arbeiten wir eng mit Energieversorgern und den Behörden vor Ort zusammen.“ Sie hofft, dass schon bald Daten in Glasfasern mit annähernd Lichtgeschwindigkeit zumindest auf den Transportstrecken ins Ahrtal reisen können.

Dies gilt auch für den Wiederaufbau der Infrastruktur in den besonders heftig betroffenen Gebieten Nordrhein-Westfalens. So ist in Bad Münstereifel in der Altstadt durch die Wassermassen die Haupttrasse der Telekommunikationsinfrastruktur von Vodafone vollständig zerstört worden. Auf rund 1.400 Meter Länge entsteht deshalb eine neue Glasfaser-Trasse im Erdreich. Von dieser werden Leerrohre zu jedem Verstärkerpunkt in der Stadt gezogen, um diese perspektivisch direkt mit Glasfaser an die neue Hochgeschwindigkeitsautobahn in der Altstadt zwischen den Stadttoren anzuschließen.

Entstört sind mittlerweile auch die mehr als 150 als Folge des Hochwassers ausgefallenen Mobilfunk-Stationen. Vodafone setzt nach wie vor 12 mobile Basisstationen ein, die zusätzlich ins Netz gebracht wurden, um während der Katastrophe ein dichteres und kapazitiv größeres Netz zur Verfügung zu stellen.

Überblick zur Fluthil­fe von Voda­fone 

Vodafone unternimmt seit der Jahrhundertflut alles Menschenmögliche, um die Menschen im Ahrtal zu unterstützen. Vodafone begann noch in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli damit, die Netze zu reparieren und am Laufen zu halten. Im Mobilfunk hatten alle Vodafone-Kunden in den Krisengebieten bereits nach 14 Tagen wieder Mobilfunk-Empfang – auch dank mobiler Sendemasten, die per LKW in die Region gebracht wurden. Ebenso brachte Vodafone unmittelbar nach der Flut so genannte „Instant Networks“ aus Ungarn, Großbritannien und den Niederlanden ins Ahrtal, um die Suche nach Vermissten zu unterstützen. Als Soforthilfe verteilte Vodafone im Ahrtal kostenlose Ersatz-Smartphones an diejenigen Mobilfunk-Kunden, deren Handy durch die Fluten unbrauchbar geworden oder verloren gegangen war. Ebenso verteilte das Telekommunikationsunternehmen Power-Banks und schenkte jedem Vodafone-Mobilfunkkunden 100 GB Datenvolumen, damit jeder Kunde den Kontakt zur Außenwelt halten und Hilfe organisieren konnte.

Im Festnetz sind die eigenen Netzelemente nun so weit wie möglich repariert. Als besonderen Service sind seit Anfang August 2021 Service-Techniker im Katastrophengebiet unterwegs, die bei Bedarf in den Häusern die Hausanlagen, Netzanschlüsse, Leitungen und Modems prüfen und die Kunden bei der Wieder-Inbetriebnahme der Anschlüsse unterstützen. Diese Technik-Spezialisten werden dort eingesetzt, wo Vodafone aufgrund eigener Messungen Grund zu der Annahme hat, dass das Festnetz von den Kunden noch nicht genutzt wird, obwohl die Netz-Infrastruktur eigentlich wieder vorhanden ist. Im Idealfall können so Störungen direkt erkannt und vor Ort behoben werden. Zumindest aber kann die weitere Entstörung eingeleitet werden.

Zu den weiteren Hilfsmaßnahmen gehörten u. a. eine Spende über 1 Million Euro sowie eine SMS-Benefizaktion, bei der Mitarbeiter und Kunden weitere 300.000 Euro für die Menschen in den Katastrophen-Gebieten sammelten. Ebenso wurden die Retter tatkräftig unterstützt: So wurden in der Vodafone-Kantine in Düsseldorf täglich 1.500 warme Mahlzeiten zubereitet und sofort ins Katastrophengebiet gebracht. Auch wurden Mitarbeiter für den freiwilligen Einsatz in den Gebieten freigestellt. Für Menschen, deren Häuser und Wohnungen zerstört wurden, stellte Vodafone kostenlosen Wohnraum mit Verpflegung zur Verfügung – etwa im Vodafone-Konferenzhotel Hirschburg. Die schnelle Einspeisung des Ahrtal-Radios in das Kabel-Glasfasernetz rundet das Engagement ab.

Fotos: © Vodafone

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