Machbarkeitsstudien zum Medizincampus Niederbayern beim bayerischen Staatsministerium eingereicht: Eine großartige Chance für die Sicherung der medizinischen Entwicklung der Regio

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Erklärung der ärztlichen Vertreterin/der ärztlichen Vertreter der Standorte Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing in der Planung eines Medizincampus Niederbayern

Niederbayern / Landshut. Im November 2020 erging aus dembayerischen Staatsministerium an die Universität Regensburg (UR) und die Technische Universität München (TUM) der Auftrag unter enger Einbeziehung der Standorte Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing und unter besonderer Berücksichtigung der Universität Passau so genannte „Machbarkeitsstudien“ für die mögliche Realisierung eines „Medizincampus Niederbayern“ (MCNB) zu erstellen.

Am 30.04.2021 sind nach nur fünf Monaten in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den beteiligten niederbayerischen Kliniken, der Universität Passau, sowie weiteren Partnern diese beiden Machbarkeitsstudien fristgerecht dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (StMWK) vorgelegt worden. Mit diesen Machbarkeitsstudien, denen zahlreiche Abstimmungsgespräche mit allen Partnern des MCNB vorausgegangen sind, bewerben sich die UR und die TUM um die Rolle der medizinischen „Alma mater“ in einem möglichen, zukünftigen MCNB. Der hohe zeitliche Druck, die Notwendigkeit der beständigen Abstimmung mit zahlreichen Partnern und darüber hinaus die zweite Welle der Corona-Pandemie haben alle Beteiligten vor eine große Herausforderung gestellt.

Die niederbayerischen Kliniken mit den Standorten Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing hatten jeweils eine ärztliche Vertreterin/einen ärztlichen Vertreter für die Gespräche mit den Universitäten benannt. Diese Vertreter hatten sich zu einer Arbeitsgruppe („Task force“) zusammengeschlossen, die sich wöchentlich abgestimmt hat. Daraus ist eine vertrauensvolle, enge und konstruktive Zusammenarbeit entstanden. Diese „Task force“ konnte sich bereits bei ihren ersten Zusammentreffen im Januar 2021 auf acht gemeinsame Prämissen einigen, die – in Abstimmung mit den jeweiligen Klinikträgern – die Grundlage und den Rahmen für die Gespräche und Abstimmung mit den Universitäten darstellen sollten.

1.       Als übergeordnetes Ziel des MCNB wurde eine hochwertige akademisch-klinische Ausbildung von Medizinstudierenden in Niederbayern definiert, um qualifizierten ärztlichen Nachwuchs auszubilden und somit die Sicherstellung einer nachhaltigen ärztlichen Versorgung der Region Niederbayern zu unterstützen.

2.       Die Gründung des MCNB soll einen Gewinn für Niederbayern darstellen und per se zu keinen Veränderungen der Versorgungsstrukturen und Krankenhauslandschaft führen. Insbesondere soll sichergestellt werden, dass durch die neue Struktur keine Patientenströme einer Klinik auf Kosten einer anderen umgeleitet werden und damit keine der beteiligten Partnerkliniken wegen des MCNB Nachteile erfährt.

3.       Die Kliniken an den Standorten Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing verstehen sich innerhalb eines MCNB als gleichberechtigte Partnerkliniken und stehen uneingeschränkt für die Gestaltung und Planung zur Verfügung. Diese Gleichberechtigung und Augenhöhe der Partner sind die Basis, um eine kooperative, vertrauensvolle und nachhaltige Zusammenarbeit in einem Campus Niederbayern zu ermöglichen.

4.       Bestehende Versorgungsstrukturen und Netzwerke, wie z.B. weitere Kliniken, Praxen und Versorgungsnetzwerke sollen nach Möglichkeit und Bedarf als Lehrkrankenhäuser und Lehrpraxen mit einbezogen werden. Bereits bestehende Kooperationen sollen erhalten und  weitergeführt, ggf. durch weitere Kooperationen ergänzt werden, um ein Netzwerk in ganz Niederbayern aufzubauen. Dies berücksichtigt bereits mögliche Anforderungen die sich aus der aktuell in Planung befindlichen Neuordnung der Ärztlichen Approbationsordnung ergeben, die eine starke Einbindung von Praxen, Rehakliniken u.a. fordert.

5.       Es ist erklärtes Ziel, dass der MCNB an den vier Standorten in Niederbayern gemeinsam mit den Universitäten ein akademisches Umfeld bietet.

6.       Die Etablierung einer „Kohorte Niederbayern“ soll die Studierenden befähigen, von Beginn ihres Studiums an eine Bindung an die Region zu entwickeln und zu leben. Dies kann durch die Kombination der festen Zuordnung von Studierenden an jeweils einen niederbayerischen Standort, an dem sie mindestens zwei bis drei Jahre verbringen und einem zentralen und dezentralen Lehr- und Forschungskonzept, das sich über den gesamten MCNB erstreckt, verwirklicht werden. Dafür soll ein attraktives Mobilitätskonzept etabliert werden, das neue Wege der Mobilität eröffnet und damit zusätzlich die Studierbarkeit gewährleistet.

7.       An den Kliniken sollen in enger Kooperation mit bestehenden Forschungseinrichtungen her­vorragende Möglichkeiten für klinische und translationale Forschung auf- bzw. ausgebaut werden, die für die universitäre Ausbildung von Medizinstudenten von essenzieller Bedeutung sind. Die hohe Anzahl von Patienten an den Campuskliniken (weit mehr als 100.000 stationäre Fälle im Jahr) eröffnet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für erfolgreiche, kompetitive klinische Forschung, die in Verbindung mit modernen, digital vernetzten Konzepten, vergleichbare Möglichkeiten zu einer traditionellen, einzelnen Universitätsklinik  bietet. Die enge Anbindung der Universität Passau an den MCNB in Kooperation mit den regionalen Hochschulen wird zu einem nachhaltigen Ausbau der verschiedenen Netzwerke mit vielseitigen Möglichkeiten zur gemeinsamen translationalen Forschung führen und damit die Entwicklung der Region befördern und zu hohen Synergieeffekten führen. Den Studierenden an den niederbayerischen Standorten wird dies eine hochqualifizierte und innovative medizinische Ausbildung mit einem breiten Angebot zum wissenschaftlichen Arbeiten ermöglichen.

8.       Die Grundlage für den Erfolg des MCNB bildet eine qualitativ hochwertige Lehre und die Möglichkeiten zum Einstieg in hochwertige, kompetitive Forschung.

Die gemeinsamen Gespräche zwischen der Ärztlichen Direktorin/den Ärztlichen Direktoren der beteiligten Kliniken des MCNB haben es ermöglicht, einen von allen getragenen Konsens in Bezug auf die Aufteilung der Fächer und Professuren an den jeweiligen Standorten zu erzielen und weitgehende Einigkeit im Hinblick auf notwendige Rahmenbedingungen für die Studierbarkeit zu erzielen. Diese Gespräche waren trotz teilweise divergierender Interessen immer zielorientiert und konstruktiv, sorgfältig abwägend und von dem umfangreichen akademischen Wissen der Beteiligten getragen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass nur über die Geschlossenheit und eine konsentierte Meinungsfindung der Erfolg dieses innovativen Konzepts gesichert werden kann.

In einer Vielzahl von Gesprächen mit dem Universitätsklinikum Regensburg bzw. der UR und der TUM war es möglich, die Vorstellungen und Ziele der zukünftigen Partnerkliniken im MCNB in die jeweiligen Machbarkeitsstudien in positiver und wertschätzender Weise zu äußern. Am Ende ist es gelungen, die Interessen der zukünftigen Kliniken des MCNB in die jeweilige Studie einzubringen. Dieärztliche Vertreterin/die ärztlichen Vertreter der Standorte Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing danken an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich den beteiligten Personen und Mitarbeitern der UR und der TUM für die angenehme Zusammenarbeit. Naturgemäß wurden die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen mit beiden Partnern bisher nicht im Detail erörtert und ausgearbeitet. Es ist aber erfolgreich gelungen, die Vorstellungen über die erforderlichen Ressourcen der beteiligten Kliniken des MCNB für eine attraktive Lehre und erfolgreiche Forschung in den Machbarkeitsstudien beider Universitäten einzubringen.

Die ärztliche Vertreterin/die ärztlichen Vertreter der Kliniken sind überzeugt, dass der MCNB mit seinen Standorten eine hochqualifizierte, gleichzeitig aber auch praxisnahe Medizinerausbildung kombiniert mit zahlreichen Möglichkeiten zum wissenschaftlichen Arbeiten, anbieten kann und wird. Die Chancen der Standorte für eine erfolgreiche Personalrekrutierung im Bereich der Gesundheitsversorgung werden verbessert, so dass einerseits eine Erhöhung der Versorgungsqualität erreicht, andererseits aber hoffentlich auch erfolgreiche Studienabgänger an die Region gebunden werden, die dann die medizinische Versorgung in Niederbayern langfristig sicherstellen.

Die Universität Passau steht im zukünftigen Profil des MCNB für Digitalisierung und Künstliche Intelli­genz (KI). Auch hier wurden zahlreiche, sehr konstruktive Gespräche mit dem Präsidenten und den Vizepräsidenten sowie weiteren Vertretern der Universität Passau geführt und bereits erste Forschungskonzepte mit dem Klinikum Passau und der Kinderklinik erstellt. Eine der beiden Machbarkeitsstudien sieht zusätzlich die Einbindung der Technischen Hochschule Deggendorf und der Hochschule Landshut und dem TUM Campus Straubing vor. Die Gespräche fanden stets in äußerst angenehmer, wertschätzender Atmosphäre statt, so dass auch hier die ärztliche Vertreterin/die ärztlichen Vertreter der Standorte Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich den beteiligten Personen für die angenehme Zusammenarbeit danken möchten.

Die abschließende Bewertung durch das StMWK der beiden Machbarkeitsstudien, die derzeit von einem wissenschaftlichen Gutachtergremium bewertet werden, wird über das ob und das mit wem entscheiden. Bis hierhin ist auch durch die gemeinsame und konstruktive Zusammenarbeit der Ärztlichen Direktorin/der Ärztlichen Direktoren der beteiligten Kliniken in Niederbayern erfolgreich gelungen, die Voraussetzungen für eine solche Bewertung zu schaffen und dabei die Wünsche und Interessen der Standorte Deggendorf, Landshut, Passau und Straubing angemessen abzubilden. Damit existieren für den Fall der Entscheidung, dass eine Realisierung mit einem der beiden Partner als „Alma mater“ erfolgt, sehr gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gründung des MCNB.

Für die Standorte des MCNB:

·       Prof. Dr. Michael Quintel, DONAUISAR Klinikum Deggendorf

·       Prof. Dr. Stephan Holmer, Klinikum Landshut

·       Prof. Dr. Johannes Schmidt, Krankenhaus Landshut-Achdorf

·       Dr. Reinhard Herterich, Kinderkrankenhaus St. Marien Landshut

·       Prof. Wolfgang Schreiber, Bezirksklinikum Mainkofen

·       Prof. Dr. Annegret Kuhn, MBA, Klinikum Passau

·       Prof. Dr. Matthias Keller, Kinderklinik Dritter Orden Passau

·       Prof. Dr. Matthias Jacob, Klinikum St. Elisabeth Straubing

Foto: Simbolbild Arzt AdobeStock – csm Klinikum Landshut

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