„White Ravens Festival“ in Landshut mit britischem Autor Alex Wheatle

„White Ravens Festival“ in Landshut mit britischem Autor Alex Wheatle
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Das alljährliche von der internationalen Jugendbibliothek (IJB) in München organisierte „White Ravens Festival“, bei dem insgesamt sieben Autoren aus fünf Ländern auf Lesereise gehen, fand vergangene Woche in ganz Bayern statt. In Landshut war im Rahmen der Autorenlesung der Stadtbücherei der britische Schriftsteller Alex Wheatle mit seiner erfolgreichen „Crongton“-Serie im Gymnasium Seligenthal zu hören. Wegen der Corona-Beschränkungen wurde die Lesung digital realisiert.

Insgesamt etwa 200 Schüler aus den neunten bis elften Klassen waren am Donnerstag bei zweimaliger Durchführung in der Aula dem englischen Autor Alex Wheatle online zugeschaltet. Unterstützt wurde der Jugendbuchautor bei seinem Vortrag von Schauspieler Jakob Immervoll (Münchner Volkstheater), der die deutschen Übersetzungen eindrucksvoll zum Leben erweckte. Claudia Söffner von der IJB, die mit dem Gymnasium Seligenthal und der Stadtbücherei Landshut bei der Organisation der Lesung zusammenarbeitete, moderierte die Veranstaltung gekonnt und mit Fingerspitzengefühl.

Der sympathische britische Jugendbuchautor Alex Wheatle, der via Teams aus England zugeschaltet war, sprach über seine Arbeit als Autor und seine Meinung zu aktuellen politischen Ereignissen. Er las zudem auch mit viel Engagement Auszüge aus seinen erfolgreichsten Werken „Liccle Bit“ sowie „Homegirl“ und erlaubte den Zuhörern einen Blick in seine Welt, die wohl für viele der Jugendlichen ziemlich neuartig war.

Wenn Alex Wheatle über sein Leben spricht, dann teilt er es in zwei Teile auf: Die Zeit vor und nach seinem Gefängnisaufenthalt im Jahr 1981. Aufgewachsen in britischen Kinderheimen macht er traumatische Erfahrungen, verbringt seine Teenager-Jahre dann in Brixton – ohne echte Rollenvorbilder und auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Dort wird er 1981 auch für seine Teilnahme an den sogenannten „Brixton-Riots“ verhaftet. „Das war ein Wendepunkt in meinem Leben“, so der Autor. „Im Gefängnis traf ich meinen Mentor, der mir gezeigt hat, wie wichtig Bücher und Bildung sind und der der erste Mensch war, der an mich glaubte und meine Stärken sah.“

Besonders gerne erzählt der Schriftsteller daher auch von seiner Liebe zum Lesen. Heimlich mit der Lampe unter der Bettdecke lesend war Literatur schon in seiner Kindheit eine Art Zufluchtsort. Was ihm aber fehlte, als er durch die Buchläden streifte, waren Geschichten oder Charaktere, mit denen er sich identifizieren konnte. „Ich wollte Bücher schreiben, in denen sich auch meine Freunde und ich wiederfinden konnten“, so Wheatle.
Das war seine Motivation, mit dem Schreiben zu beginnen, die ihn bis heute nicht loslässt. „Ich schreibe jeden Tag, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Oft sind es auch vier oder fünf Stunden, das kommt immer auf meine Tagesform an und wie die Ideen sprudeln“, sagt der Autor.

Der Schauplatz in Wheatles Büchern heißt Crongton und während dieser Stadtteil zwar nur in den Romanen des 58-jährigen existiert, könnte er gut und gerne ein Stadtteil Londons, Manchesters oder Birminghams sein. Eigentlich könnte Crongton überall in der Welt liegen, wo Menschen abgehängt und in Armut leben. In Crongton gehen Wheatles Charaktere ganz normal zur Schule, meistern die Herausforderungen der Pubertät und behaupten sich auf dem Sportplatz. Aber das passiert eben oft unter dem bleiernen Mantel von Geldnot, zerbrochenen Familien und einem Gang-Krieg, der mehrere Opfer fordert und die Hauptfiguren immer wieder in Gefahr bringt. Dass die jugendlichen Hauptfiguren dennoch nie den Mut verlieren und in ihren Abenteuern vor Wortwitz nur so sprühen, ist eine der großen Errungenschaften des Jugendbuchautors mit der außergewöhnlichen Biographie.

Die Schüler aus Seligenthal hatten im Vorfeld bereits viele gute Fragen eingereicht und hakten während der Lesung auch spontan nach. So entwickelte sich ein spannendes Gespräch, das Alex Wheatle aus seiner 1.000 Kilometer entfernten Küche direkt in die Mitte der Zuhörerschaft brachte.

Foto: Michael Menauer (Abdruck mit Quellenangabe honorarfrei)

Bildunterschrift:
„White Ravens Festivals“: Alex Wheatle, online zugeschaltet aus England, beeindruckte bei der Autorenlesung der Stadtbücherei Landshut, die im Gymnasium Seligenthal stattfand. Mit dabei waren auch (am Podium) Schauspieler Jakob Immervoll vom Münchner Volkstheater, der ins Deutsche übersetzte, und Claudia Söffner von der Internationalen Jugendbibliothek.

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